Gestatten Sie: Das Supernetz!

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Mit die größte Barriere für einen Atomausstieg sind fehlenden Leitungen. Wir brauchen ein Supernetz und die Schweiz als Strombatterie. Voraussetzung für die europäische Energiewende ist ein verlustarmes Stromnetz aus Hochspannungsleitungen. Die EU hat das Ziel den gesamten Stromverbrauch bis 2050 aus erneuerbaren Quellen zu decken. Die Herausforderung lautet: Dezentrale erneuerbare Energiegewinnung, wie Windstrom an der Nordsee, über weite Strecken zu den Ballungszentren des Verbrauchs zu transportieren.

Schickt man Energie mit Kabeln durch die Welt ergibt sich ein physikalischer Effekt. Der gelieferte Wechselstrom aus Kraftwerken oder Windrädern baut 50-mal in der Sekunde ein elektromagnetisches Feld auf und wieder ab. Transportiert man diesen dann über mehrere Kilometer kostet es Leistung. Experten sprechen von der so genannten Blindleistung. Nach ca. 200 Kilometern kommt von dem Strom den man losgeschickt hat so gut wie nichts mehr an. Das heisst nach 200 Kilometern ist die übertragene Leistung gleich null.

Die Vision heisst Supergrid. Ein Netz von Hochspannungs-Stromautobahnen das quer durch Europa in den nächsten 10 Jahren gebaut werden müsste. Der Unterschied ist. Beim Supergrid handelt es sich um ein Netz zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, kurz HGÜ.

In speziellen und sehr teuren Konverterhallen wird der Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt, über das Supergrid Richtung Ballungszentren geschickt und bei Ankunft wieder in einer Konverterstation Wechselstrom daraus gemacht. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Ein Mensch würde unter ungünstigen Bedingungen in vier Meter Entfernung vom blanken Leiterseil einer 450-Kilovolt-Leitung kurzerhand verschmoren. Solche Konverterstationen benötigen ca. 200.000 Quadratmeter Platz. Nach Inbetriebnahme ist der Zutritt lebensgefährlich.

Und was hat die Schweiz davon. Sie kann die Strombatterie für ein solches Netz spielen. Denn der Nachteil an der erneuerbaren Energieproduktion ist, dass die Stromproduktion nicht immer dem Verbrauch entspricht. Manchmal gibt es zu viel Strom manchmal zu wenig. Man braucht also einen Energiespeicher der bei hoher Stromproduktion aufgefüllt wird und bei niedriger Stromproduktion angezapft werden kann. Nun kommen die Pumpspeicherkraftwerke der Schweiz ins Spiel. Bei zu viel Strom im Netz werden diese mit Wasser gefüllt. Bei zu wenig Strom im Netz lässt man das Wasser zu Tal laufen und produziert den fehlenden Strom.

Ob jemals das Supergrid gebaut wird, ist auch eine finanzielle Frage. Der Bau kostet mindestens einen zweistelligen Milliarden Franken-Betrag. Abgesehen von Baueinsprüchen seitens der Bevölkerung und dem Bewilligungsprozedere. Doch eines muss uns klar sein einen Atomausstieg erhält man nicht gratis und die Schweiz kann dabei eine tragende Rolle spielen. Oder was meinen Sie?

Bild: © www.das-energieportal.de

45 comments for Gestatten Sie: Das Supernetz!

    Honegger Marianne says:

    Wie steht es mit Solarstrom aus der Wüste??? Da gibt es ja auch Projekte mit Leitungen ohne grossen Verlust!

    Ich sagte es schon einmal: Es gibt keine Alternative zur Kernkraft.

    Die Gründe finden Sie auf meiner Homepage,

    URL: http://www.mit-sicherheit-kernkraft.de/

    Es gibt keine vernünftige Alternative zu der sauberen, sicheren und beherrschbaren Kernenergie.

    “Kernkraft? – Ja, bitte!”

    Use Your Brain says:

    So sauber und sicher wie in Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima?
    Unglaublich, dass Menschen so naiv sind…
    Wieso meldet sich René Schneider nicht als Liquidator in einem der verstrahlten Gebiete, wenn er so viel beherrschen möchte?

    Am 30. April 2011 wurde die “Gesellschaft der Freunde und Förderer der Kernkraft” gegründet.

    Zu Beginn der Versammlung referierte ich über den hunderttausendfachen Tod durch Flut-Katastrophen bei der Stromerzeugung durch Wasserkraft. Hier seien nur wenige Beispiele genannt: Die gebrochene Staumauer der Gleno-Talsperre (Italien, 1923), die zerbombte Mauer der Möhnetalsperre (Deutschland, 1943) und die Katastrophe von Henan (China, 1975), bei der nach amtlichen Angaben mindestens 86.000 Menschen starben, wahrscheinlich aber mehr als doppelt soviel:

    “An example was the catastrophic collapse in August 1975 of two large water-conservancy projects in Henan Province, the Banqiao dam and the Shimantan dam. Hitherto almost entirely unreported beyond the confines of China’s top party leadership and elite hydrological circles, this event represented by far the largest known dam disaster in human history. In the resulting floods, famine and health epidemics, fatalities amounted to anywhere between 86,000 (the government’s internally-released figure) and 230,000 (an estimate produced by eight senior Chinese critics of the Three Gorges project).”

    Erwähnung fand auch die Talsperre von Puentes (Spanien), deren Mauerbruch vom 30. April 1802 mindestens 600 Todesopfer forderte, auf den Tag genau 209 Jahre vor der Gründung der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Kernkraft. Schneider betonte, daß die Zahl der Flutkatastrophen durch Damm- und Staumauerbrüche so hoch ist, daß man praktisch an jedem Kalendertag an eine andere dieser Katastrophen erinnern kann. Dem stehen die Beteuerungen der Betreiber entgegen, wonach das “Restrisiko” vernachlässigenswert gering sein soll, die Staudämme und Staumauern seien angeblich sicher.

    Auch die größte Talsperre Indiens, die Hirakud-Talsperre, ist relativ sicher, aber als sie 1980 einmal übervoll war, und zur Vermeidung eines Bruches gezielt entlastet werden mußte, ertranken ungefähr 1.000 Menschen in der Flutwelle. In Japan haben das Erdbeben und die Flutwelle von Fukushima wahrscheinlich 24.000 Todesopfer gefordert, allerdings ist durch den Störfall in den Kernkraftwerken von Fukushima bis heute noch kein einziger Mensch ums Leben gekommen. Für mich gibt es keine Alternative zu der sauberen, sicheren und beherrschbaren Kraft der Kernenergie. Und mit dem geringen Risiko, daß vielleicht in 25 Jahren irgendwo auf dieser Welt noch einmal ein Malheur geschieht wie damals in der Sowjetunion oder gegenwärtig in Fernost, kann ich besser leben als mit den Folgen und Gefahren der Stromerzeugung aus Wasserkraft, Windkraft und Braunkohle, den drei größten Zerstörern unserer natürlichen Umwelt.

    Elektrischer Strom ist unsere Lebensgrundlage und unsere Zukunft, er muß deshalb ständig verfügbar und für jedermann bezahlbar bleiben!

    Ich kann Ihren Standpunkt nicht ganz nach vollziehen und möchte deshalb ein paar Punkte heraus greifen, da Sie scheinbar etwas davon verstehen:

    Beim gegenwärtigen Wachstum der Nutzung von 2% jährlich reichen die bekannten Uranvorräte ca. 5-7 Dekaden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass heute gebaute KKWs in ihrer Laufzeit über die Energieklippe fallen (energy cliff), weil das hochkonzentrierte Uran ausgebeutet ist und die Gewinnung von Brennstoff aus niedrig konzentriertem Uran nicht mehr gewinnbringend ist.

    Dies führt zur CO2-Falle, weil die Aufbereitung niedrig konzentriertem Uran in absehbarer Zeit mehr CO2 erzeugt wie die fossilen Energieträger.

    Bei 4 Super-GAUs pro Jahrhundert fallen in der selben Zeit mindestens 4 Sarkophage an, die erneuert werden müssen, das Stück mit über einer Milliarde € kosten. Das ein paar Jahrtausende lang. Was, wenn das Geld mal nicht zur Verfügung steht? Oder wie in Fukushima, mal unter Wasser gebaut werden muss, weil der Meeresspiegel steigt? Oder die Technik nicht zur Verfügung steht, weil eine Finanzkriese alles lahm gelegt hat?

    Sind sie bereit, über einem Endlager zu wohnen? Erdbeben gibt es ja auch in erdbebenfreien Gebieten…

    Mich würde interessieren, wie Sie zu diesen Punkten stehen.

    Mit freundlichen Grüssen
    Samuel Heller

    Sehr geehrter Herr Heller!

    1.) Auf alberne Frage antworte ich nicht.

    2.) Gegenwärtig gibt es keine Alternative zur Kernkraft durch Kernspaltung, allerdings sollten die Möglichkeiten der Kernfusion aus – nicht radioaktivem – Wasserstoff schneller erforscht und praktisch nutzbar gemacht werden. Das ist die einzige Alternative in der Zukunft.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Schneider

    Markus H. says:

    Wie sagte schon mein Klassenlehrer:
    “Es gibt keine albernen oder dumme Fragen, es gibt nur DUMME Antworten”!!
    In diesem Sinne……..

    Der Mann hätte Ihnen besser Rechnen, Lesen und Denken beigebracht (siehe unten: “x-tausend Tote”),

    t, t, t, …

    Markus H. says:

    Aha… ganz klar Ihnen gehen die Argumente aus und dann kritzeln Sie irgendwelches bla bla bla….. Die Legokiste steht hinter Ihnen, also spielen Sie mal schön weiter……

    Lieber Herr H.!

    Da Sie das, was zwischen meinen Zeilen steht, entweder nicht lesen oder nicht verstehen, sage ich es hiermit klar und deutlich: Ihr verbaler Auftritt ist mir zu ordinär, und deshalb lehne ich jede Diskussion jede weitere Korrespondenz mit Ihnen ab.

    Und jetzt gehen Sie bitte wieder in Ihren Keller, wo es schön dunkel ist, und vergessen Sie nicht, laut zu pfeifen. Das macht Mut.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Schneider

    Honegger Marianne says:

    Ich möchte Herrn Schneider auch noch mit auf den Weg geben, dass nach Ueberwschwemmungen die Erde wieder als Ackerland und Häuserbau nutzbar ist.
    Wie lange die halbwertszeit nach einer AkW Katastrophe dauert muss ich hier wohl nicht aufzeigen.

    Sehr geehrte Frau Honegger!

    Wir reden hier nicht über die fruchtbaren Überschwemmungen des Ackerlandes am flachen Nil, sondern von katastrophalen Damm- und Staumauerbrüchen:

    Reallistisch sind zum Beispiel die Gefahren der riesigen Wasserspeicher im österreichischen Zillertal, deren Bersten eine gigantische Flutwelle auslösen würde, die mehr als 100.000 Tote in Österreich und Deutschland fordern könnte.

    Die Alpenländer sind gesegnet mit den schönsten Landschaften dieser Erde. Hohe Berge und tiefe Täler ermöglichen die traditionelle Bewirtschaftung des reichlich vorhandenen Wassers. Allein im Zillertal befinden sich fünf Sperren mit großartigen Staumauern oder Dämmen: Schlegeisspeicher (131 m hoch, 735 m lang), Zillergründl (186 m hoch, 506 m lang), Stillup (28 m hoch, 420 m lang, Erddamm), Durlaßboden (83 m hoch, 450 m lang, Schüttdamm), Gmünd (40 m hoch und die älteste Gewölbemauer in Österreich, Bauzeit: 1943-1945).

    Wenn durch eine Naturkatastrophe, zum Beispiel einen Erdrutsch, oder durch verbrecherische Anschläge diese Staudämme oder Staumauern brechen, wird sich eine hundert Meter hohe Sintflut in das Tal ergießen, und im Inntal zwischen Wiesing und Kiefersfelden (40 km) eine furchtbare Todesspur hinterlassen, bevor die Flut in Bayern auseinanderlaufen und in den folgenden 25 km bis Rosenheim weitere Schäden anrichten kann, die vergleichbar sind mit den gezielten Überflutungen am Mississippi, wenn die Flutentlastungstore des “Morganza Spillway” cirka 7.000 Quadratkilometer Land in einen 8 Meter tiefen See verwandeln sollen, um die großen Städte an der Mississippi-Mündung zu retten. Was in den USA gegenwärtig gezielt geschieht, und mit der Evakuierung von 23.000 Menschen angefangen hat, geschähe in Österreich und Bayern ohne jede Vorwarnung, ließe keine Evakuierung zu, und wäre die größte Flutkatastrophe in der Geschichte des gesamten Alpenraumes.

    Zur Erinnerung:

    Die Möhnetalsperre wurde im Zweiten Weltkrieg durch einen britischen Terror-Angriff in der Nacht vom 16./17. Mai 1943 zerstört, obwohl sie kein militärisches Ziel war. In der Staumauer entstand nach dem Bombenwurf zunächst ein kleiner Riß, der sich durch den Druck der ausströmenden Wassermassen schnell erweiterte, und zuletzt eine riesige trapezförmige Lücke ergab (77 m Breite mal 22 m Tiefe), durch welche die Wassermassen herausströmten. In der Flutwelle, die sich über die Möhne bis weit ins Ruhrtal ergoß, kamen verschiedenen Angaben zufolge mindestens 1.284 – wahrscheinlich aber mehr als 1.600 -Menschen ums Leben. Der letzte Todesfall infolge der Flutwelle wurde aus Essen-Steele gemeldet, über 100 km von der Staumauer entfernt.

    Die meisten Menschen kamen in einem Kriegsgefangenenlager in unmittelbarer Nähe unterhalb der Sperrmauer ums Leben. Ein Mahnmal am früheren Kloster Himmelpforten erinnert heute an die über 1.200 Toten allein in diesem Lager. Ganz Neheim (heute ein Stadtteil von Arnsberg) wurde schwer getroffen, die Flutwelle war dort über 12 Meter hoch. Ein Mahnmal in Neheim erinnert an die Opfer der Katastrophe.

    Elektrischer Strom ist unsere Lebensgrundlage und unsere Zukunft, er muß deshalb ständig verfügbar und für jedermann bezahlbar bleiben!

    Deshalb: http://www.mit-sicherheit-kernkraft.de/

    Mit freundlichen Grüßen!
    René Schneider

    Honegger Marianne says:

    Sehr geehrter Herr Schneider.
    Nach Tschernobyl sind (stand April 2006) 4’000 Todesopfer zu beklagen. Zusätzlich sind 270’000 Menschen an Krebs erkrankt. Die meisten werden daran sterben.
    Wie viele es in der Zwischenzeit sind weiss ich nicht.

    In Fukushima gibt es auch mehrere Tote. Einige Mitarbeiter konnten bis jetzt nicht gefunden werden.
    Es werden weitere folgen, die einer zu hohen Strahlung ausgesetzt wurden, freiwillig oder unfreiwillig. Wieviele weiss noch niemand.

    Also behaupten sie nicht, es gibt bei einem AKW Supergau keine toten.
    Kann im Google nachgelesen werden.

    Mit freundlichen Grüssen

    M. Honegger

    Sehr geehrte Frau Honegger!

    Ihre Verallgemeinerungen sind nicht sachdienlich, und erschweren eine vernünftige Auseinandersetzung mit Ihren unbegründeten Ängsten. Ich werde aber im Laufe dieser Woche gerne darauf zurückkommen.

    Schon heute kann ich Ihnen sagen, daß die Bilanz des Reaktorunfalls von Fukushima wesentlich glimpflicher ist, als Sie sich das vorstellen können:

    – Null Tote durch Radioaktivität,

    – keine schweren Fälle von Strahlenkrankheit (ICD-10-WHO Version 2011 = T66),

    – und nur 20 km Sperrzone im Umkreis des Unglücksortes!

    Vielleicht sollten Sie sich inzwischen ein Basiswissen über die Strahlenkrankheit verschaffen, und – da sie für die politisch gewollte, aber objektiv unbegründete Nuklearphobie durchaus anfällig sind – andere, nützliche Ängste und Befürchtungen ebenfalls zulassen.

    Der Tod durch ertrinken nach einem Damm- oder Staumauerbruch ist nämlich auch nicht angenehm, allerdings eine sehr viel realistischere Gefahr für x-tausend Menschen als alles, was “Die Grünen” sich gegen die Atomkraft ausgedacht haben und zur Begründung ihrer Lebenslüge ständig wie eine Monstranz vor sich hertragen müssen.

    Mit freundlichen Grüssen,
    Schneider

    Markus H. says:

    Liebe Marianne :-)
    Vergiss es mit Argumenten, der Herr Schneider hat die Gehirnwäsche schon hinter sich. Er geht ja auch morgen nach Fukushima in die Ferien, da soll es einen schönen MENSCHENLEEREN und ruhigen Strand geben. Auch das Grundwassser ist Glasklar……

    Markus H. says:

    Hey Marianne noch ein kleiner Nachtrag:
    Schaue mal unter:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Verein_zur_F%C3%B6rderung_der_Psychologischen_Menschenkenntnis

    (Auflösung VPM) welche Zeitschrit da steht.
    Jepp….. die “Zeit-Fragen”.

    Nein.. Nein… das sind keine Sekten-Freaks…..

    Lieber Gruss

    Markus H.

    Sehr geehrte Frau Honegger!

    Die Anti-Atom-Bewegung bewegt sich bekanntlich auf dem niedrigen Niveau der “Wikipedia”, das ist ein Medium, welches im Verdacht steht, unter der Tarnung von Beiträgen, die von jedermann verfaßt oder beliebig verändert werden können, gezielte Informationen und Desinformationen – nicht nur der amerikanischen Geheimdienste – zu streuen.

    Sehr zum Leidwesen der Anti-Atom-Bewegung und der “Wikipedianer” hat es aber noch immer keinen einzigen “Strahlentoten” nach dem Reaktorunfall von Fukushima gegeben, daran ändern auch die Kapitelüberschriften “Nuklearkatastrophe von Fukushima” und “Verletzte und getötete Mitarbeiter” nichts.

    *

    1.) Fukushima, 11.03.2011

    Durch das Erdbeben wurden laut NISA fünf Mitarbeiter leicht verletzt. Ein weiterer brach sich beide Beine und einer erlitt einen Herzinfarkt. Zwei Personen wurden danach vermisst und drei Wochen später im Keller eines Turbinenhauses tot aufgefunden.[339]

    Die Explosion des Reaktorgebäudes 1 am 12. März und der dabei entstandene Rauch verletzten laut NISA vier Personen leicht. Ein weiterer Mitarbeiter erlitt an diesem Tag einen Schlaganfall.[339]

    Durch die Explosion in Reaktorblock 3 am übernächsten Tag wurden nach NISA-Angaben elf Personen leicht verletzt, darunter vier Mitglieder der Streitkräfte.[339] Ein Bericht des Daily Telegraphs, bei der Explosion seien sechs Mitarbeiter der Japanese Central Nuclear Biological Chemical Weapon Defence Unit unter den Trümmern begraben worden,[259] blieb unbestätigt.

    In der nachfolgenden Zeit meldete die NISA verschiedene, überwiegend kleinere Verletzungen und Erkrankungen, die mit Arzt- oder Krankenhausbesuchen verbunden waren: Mehreren Arbeitern wurde unter den Atemschutzmasken unwohl, einer stolperte daher und verletzte sich am Knie, einer erlitt eine Augenverletzung durch austretendes Kühlwasser an einer Betonpumpe, und ein anderer verletzte sich beim Fall von einer Leiter.[339]

    Am 14. Mai wurde ein 60-jähriger Arbeiter beim Tragen von Material im Abfallentsorgungsgebäude bewusstlos und verstarb. Eine radioaktive Kontamination lag nicht vor;[340] die Ärzte vermuteten einen Herzinfarkt.[341]

    Strahlungsbelastungen

    Nach Informationen der Tagesschau wurden bis zum 16. März mindestens 20 Arbeiter „verstrahlt“.[342] Wie später bekannt wurde, erhielt außerdem eine Frau eine Strahlendosis von rund 18 Millisievert (mSv), bei einem Grenzwert für Frauen von 5 mSv pro Dreimonatszeitraum.[82] Der Grenzwert für männliche Kraftwerksarbeiter in Notfallsituationen war am 15. März von 100 auf 250 mSv pro Jahr heraufgesetzt worden.[343]

    Am 24. März ignorierten drei Arbeiter, die Stromleitungen im Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktorblock 3 verlegten, den Alarm ihrer Dosimeter, und erhielten Strahlenbelastungen von 170 bis 180 Millisievert. Obwohl Tepco bekannt war, dass es an ähnlicher Stelle in Block 1 hoch radioaktives Wasser gab, waren die Arbeiter nicht gewarnt worden.[344][280] Zwei von ihnen trugen keine Schutzstiefel – die Arbeitsvorschriften des zuständigen Fremdunternehmens sahen dies nicht vor[345] – und erhielten lokale Strahlendosen an ihren Füßen von 2 bis 3 Sievert.[339] Eine Untersuchung ergab, dass keine medizinische Behandlung notwendig war; eine Nachuntersuchung am 11. April durch das japanische Nationale Institut für Radiologische Wissenschaften war ohne Befund.[339]

    Vom 11. bis zum 31. März waren nach Tepco-Angaben 92 eigene Mitarbeiter und 32 von Fremdfirmen Strahlungen und Kontaminationen mit einer Entsprechung von über 100 mSv ausgesetzt, davon 26 zwischen 150 und 200 mSv, 8 zwischen 200 und 250 mSv und 9 über 250 mSv.[346] Diese Zahlen sind unvollständig, weil in den ersten drei Tagen nach dem Stromausfall die Dosimeterablesung nicht funktionierte.[36] Zudem fehlen in den Tepco-Daten mindestens vier Arbeiter mit äußeren Belastungen über 150 mSv laut einer NISA-Veröffentlichung vom 1. April,[347] darunter auch die beiden mit den „verstrahlten“ Füßen.[348] Die durchschnittliche äußere Belastung gab Tepco mit 9,7 mSv an; für die innere Belastung der errechnet sich ein Durchschnitt von etwa 20 mSv. Diese innere Belastung versteht sich als langfristige Strahlendosis aus den vom Körper aufgenommen Radionukliden.[346] Ein erheblicher Teil davon fiel wegen der hohen Iod-131-Belastung im März kurzfristig an. Bis Mitte Mai kamen nach NISA-Angaben weitere neun Arbeiter mit äußeren Belastungen über 100 mSv hinzu.[339]

    Bei zwei der hoch belasteten Arbeiter wurden Iod-131-Aktivitäten in der Schilddrüse von 7690 beziehungsweise 9760 Becquerel festgestellt.[349] Die daraus entstandenen internen Strahlungsbelastungen lagen bei 540 beziehungsweise 590 mSv, die Gesamtdosen bei 643 bzw. 678 mSv.[350] Beide waren während der ersten drei Unfalltage im gemeinsamen Leitstand von Block 3 und 4 tätig gewesen und hatten keine Jodtabletten genommen.[351]

    *

    2.) Tschernobyl, 26.04.1986

    Laut WHO und IAEA (2006) starben knapp 50 Menschen an der Strahlenkrankheit. […]

    Bezüglich der Zahl der Todesfälle gab es eine bis heute andauernde erbitterte Debatte. Dies ist zum Teil auf die methodologischen Schwierigkeiten zurückzuführen, niedrige Strahlendosen mit statistischen Gesundheitseffekten in Verbindung zu bringen. Zudem wird der unfallbedingte Anstieg der Krebsfälle von einer viel größeren Zahl von Krebsfällen überlagert, die auch ohne den Unfall aufgetreten wären. Nicht zuletzt spielen politische Motivationen bei diesen Schätzungen eine Rolle. In Publikationen von atomenergiekritischen Verbänden und Umweltorganisationen finden sich hundertfach höhere Zahlen von Erkrankungen und Todesfällen. […]

    Neben Krebs sind wohl die sozialen und psychologischen Traumata die größten Probleme für die Bevölkerung in den Gebieten um Tschernobyl. Einige Wissenschaftler halten diese psychologischen Folgen für das größte Gesundheitsproblem infolge des Unfalls.

    *

    3.) Eigene Stellungnahme:

    Das opportunistische und propagandistische Geschwätz der Anti-Atom-Bewegung ist für eine sachliche Auseinandersetzung wenig hilfreich. Sehr aufschlußreich ist aber das Schweigen der ehemals seriösen Politiker zu bestimmten Aspekten der Horror-Szenarien, welche von den Anti-Atom-Aposteln stets und ständig gemalt werden:

    – Warum verlangt die deutsche Regierung in Berlin nicht die Abschaffung aller Kernkraftwerke in der Europäischen Union (EU) und in den befreundeten Staaten (z. B. USA), falls die angeblichen Gefahren durch Erdbeben und Tsunamis real sein sollten?

    – Und warum gilt das nur für die friedlich genutzte Kernenergie in den Kraftwerken, falls die angeblichen Gefahren durch Erdbeben und Tsunamis real sein sollten?

    – Sind die Fabriken und die Lager der Atomwaffen unserer angeblichen Freunde wirklcih sicher vor Erdbeben und Tsunamis, und warum verlangt niemand die Abschaffung dieser Fabriken und Lager?

    – Hören Sie dazu irgend etwas auf den beliebten Demonstrationen der Antis?

    Die Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse beziffert die freigesetzen radioaktiven Stoffe nach dem Äquivalent des Jod-Isotops 131 für Tschernobyl zwischen 4.000.000 und 6.400.000 TBq, und für Fukushima nur mit ca. 840.000 TBq (Stand: 17.03.2011).

    Weshalb der – durchaus schwere – Unfall (INES-Sufe 6) in Fukushima zu einem Katastrophalen Unfall (INES-Sufe 7) aufgewertet wurde, obwohl die objektiven Voraussetzungen wirklich nicht vorliegen, hat sich bis heute nur denjenigen Menschen erschlossen, die diese Heraufstufung aus politischen Gründen gewollt haben und diesen Akt politischer Willkür für ihre eigenen Zwecke mißbrauchen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Schneider

    Markus H. says:

    Noch SELTEN solchen Stuss gelesen. Herr Schneider hat schlicht “KEINE AHNUNG” über die XX Tausenden von Toten nach der Tschernobyl Katastrophe. Noch heute sterben tausende Menschen an den Folgen…!!! Wie verblednet muss man da sein…… ???

    1.) Wenn ich Propagandalügen oder groben Unverstand verbreiten wollte, hätte ich mir ein Pseudonym zugelegt oder meinen Namen abgekürzt.

    2.) Wenn Herr H. aber x-tausend Tote nach dem Unfall von Tschernobyl gezählt haben will, vermute ich, daß ihm die Grundlagen der Mathematik schon in der Volksschule verschlossen geblieben sind.

    Markus H. says:

    “VPM Sekte” sagt Ihnen sicher etwas….. also hören “GERADE” Sie auf mit Sprüchen wie Propagandalügen. Erzählen Sie Ihren Stuss bei euch in Deutschland und verschonen uns damit. Herzlichen Dank…

    Lieber Herr H.!

    Ich bin kein Sektierer, aber Sie scheinen ein Wanderprediger zu sein.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Schneider

    M. Kälin says:

    Bravo Herr Schneider Ihre Begründungen sind seriös, fundiert, stichhaltig und sollten eigentlich Leute mit klarem Kopf überzeugen!!! Ich teile absolut Ihre Meinung, es ist jedoch ein Ding der Unmöglichkeit die Atomgegner, genau so wie Sektier, von deren Illusionen und Träumen aufzuwecken. Diese mischen Zahlen (Tschernobil) und angebliche Fakten so wie es gefällt. Nebenbei erwähnt (für die Träumer); die Fabrikation von Fotovoltaikzellen generiert extrem viel CO2, die Lebensdauer ist noch sehr offen bzw fraglich und letztlich gilt das Material als Sondermüll. A propos Windräder; dies töten extrem viele Vögel inkl Fledermäuse, wo ist bleibt da die “grüne” Liebe zur Natur???

    Barbara Tank says:

    Guten Tag Herr Kälin. Das Thema Windpark und Naturschutz greifen wir im kommenden Blog am Montag auf.

    Sehr geehrter Herr Kälin!

    Vielen Dank für Ihren Zuspruch. Auch ich freue mich über jede Anerkennung der von mir vertretenen Positionen.

    Zur Frage “Umweltschutz nur als Vorwand?” gibt es ein paar interessante Beiträge in der Wochenzeitung “Zeit-Fragen” (Zürich) Nr. 26 vom 27. Juni 2011, URL:

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=262

    Für Sie ist vielleicht der Artikel auf Seit2 8 ganz besonders interessant:

    “Die Opfer der Energiewende

    von Aileen Hohnstein

    Sie gelten als Meister der Orientierung. Doch ausgerechnet Fledermäuse kollidieren besonders häufig mit Windrädern. Wüsste man mehr über Ausmass und Ursachen, ließe sich das Problem vielleicht lösen. […]”,

    Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 12.6.2011 © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine ­Archiv.

    URL: http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=277

    Mit freundlichen Grüßen,
    René Schneider

    M. Kälin says:

    Guten Tag Herr Schneider
    Besten Dank für die weiterführenden Infos Infos!
    Mit freundlichen Grüssen
    M. Kälin
    (Dank + Gruss gilt notabene auch für Frau Tank!)

    Markus H. says:

    Das Wandern in freier Natur “Ohne radioaktive Verstrahlung!!” ist ein Genuss. Ich predige zwar nicht, aber pfeife dazu…..

    “Kein Strom ohne Atom!”

    Das sind die ersten zwei Quittungen für den unverantlichen “Atomausstieg” der deutschen Regierung: Am Mittwoch (13.07.2011) waren in Hannover 600.000 Menschen stundenlang ohne Strom, weil die notwendigen Reserven fehlen, und am Donnerstag (14.07.2011) traf die Versorgungslücke Hamburg.

    Und das ist erst der Anfang: Im Herbst und im Winter wird es richtig schlimm!

    Ich empfehle schon jetzt das Sammeln von Haushaltskerzen, Streichhölzern, Konserven und einem Camping-Kocher nebst Brennspiritus.

    Google.de: Stromausfall Hannover
    Google.de: Stromausfall Hamburg

    Mit freundlichen Grüßen aus Dunkeldeutschland,
    René Schneider

    Markus H. says:

    Hallo Märchenerzähler

    1. Als Ursache für den Ausfall vermutete der Versorger einen Kabelschaden (Welt online 14.7.11).

    http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/hamburgschleswigholstein_nt/article13487540/Zweistuendiger-Blackout-in-Hamburg-Bergedorf.html

    2. Ein technischer Defekt in einer Einspeisestation in Mehrum (Landkreis Peine) sei die Ursache für den Totalausfall gewesen, sagte ein Sprecher der Stadtwerke Hannover.

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,774328,00.html

    Machen Sie ruhig weiter mit Ihrer Märchenstunde………. Wie sagten schon Max und Moritz „Schneider Schneider m… m… m…)

    Um zur Wahrheit (Prawda) zu kommen!

    Seine Gesundheit verschlechterte sich wegen der Spätfolgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl in den letzten Jahren zusehends. Nach der Explosion im Reaktorblock am 26. April 1986 war Wladimir Klitschko senior zu Aufräumarbeiten in der radioaktiv verseuchten Zone abkommandiert worden.

    http://www.tagesanzeiger.ch/sport/weitere/KlitschkoBrueder-trauern-um-ihren-Vater/story/18506394

    A B S C H R I F T
    meines Kommentars vom 21. Juni 2011 um 12:11

    Lieber Herr H.!

    Da Sie das, was zwischen meinen Zeilen steht, entweder nicht lesen oder nicht verstehen, sage ich es hiermit klar und deutlich: Ihr verbaler Auftritt ist mir zu ordinär, und deshalb lehne ich jede Diskussion jede weitere Korrespondenz mit Ihnen ab.

    Und jetzt gehen Sie bitte wieder in Ihren Keller, wo es schön dunkel ist, und vergessen Sie nicht, laut zu pfeifen. Das macht Mut.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Schneider

    Kein Strom ohne Atom!

    Stromnetze brechen zusammen, wenn sie entweder über- oder unterlastet sind. Andere Fehlerquellen mag es auch geben, sie können in der gegenwärtigen Diskussion aber vernachlässigt werden.

    Der Bau neuer und noch dichterer Netze ist weder billig noch kurzfristig möglich. Diese Netze verschandeln nicht nur die Landschaft (so wie Windräder), sonderns sie bergen auch gesundheitliche Gefahren für die Anwohner oder zufällig anwesende Personen. Ich zitiere aus dem “WESTFALEN-BLATT” vom 22.06.2011, Bericht:

    “Gegen den Strom” (von Stephan Rechlin).

    “[…] Vor sieben Jahren wurde der Bau der zehn Millionen Euro teuren und 27 Kilometer langen 380-Kilovolt-(KV)-Leitung erstmals angekündigt. Damals hieß Amprion »RWE Transportnetz Strom«. Drei von 60 Protestierenden klagten vor dem Bundesverwaltungsgericht. Nur Günther Johannwille zog das bis zur mündlichen Verhandlung durch. Urteil: der Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung ist rechtens, Amprion darf bauen. […] Soviel Ärger für einen Gütersloher Acker? Günther Johannwille wird bald wieder Vater einer Tochter. »Bei einer elektromagnetischen Flussdichte von 0,5 Mikrotesla können Babys eher Leukämie bekommen.« In ganz Europa lägen die Grenzwerte deshalb darunter. Johannwille: »In Deutschland liegen sie bei 100 Mikrotesla. Und wir sollen unter einem Hochspannungsmast wohnen?« ”

    http://www.Westfalen-Blatt.de

    Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber an der friedlichen Nutzung der Kernenergie führt kein vernünftiger Weg vorbei!

    Mit freundlichen Grüßen aus Dunkel-Deutschland,
    René Schneider

    Simon says:

    Hallo Zusammen

    Was könnte geschehen wenn wir plötzlich keinen Strom mehr hätten?
    Warum lesen wir in den Medien nur noch über Kernkraftwerke?
    Sind nicht die Kernkraftwerke die uns billigen Strom liefern um unsere zukünftige Elektromobilität zu gewährleisten? Die Autoindustrie muss jetzt Elektroautos liefern die sie erfolgreich Jahrzehnte (siehe EV1 ) verhindern konnte, dank der Ölindustrie.
    Wie kann mann verhindern das Leute die Elektroautos kaufen?
    Nehmen wir an, alle 25 Jahre fliegt uns ein Kernkraftwerk in die Luft?
    Kann dies unsere Welt zerstören? Wenn wir aber munter unsere Öl verbrennen kann dies unsere ganze Zivilisation zerstören!
    Uran 235 hat eine gewaltige Energiedichte. Zwei Pellets (so gross wie die kleine Fingerkuppe ) kann mann eine Familie das ganze Jahr mit Strom versorgen. Aus diesem Grund haben wir genug Uran für die nächsten 200Jahre.

    Mit freundlichen grüssen Simon

    Yanick says:

    Und mit der Deep Heat Mining Technologie hat man ungefährlich, auf eine praktisch unendliche Zeitspanne, mehr als genung Energie.

    “Deep Heat Mining Technologie” – Witz oder Quiz?

    Wenn Sie ein hohes Erdbeben-Risiko lieben, sollten Sie vielleicht nach Japan auswandern, statt die schöne Schweiz zu pulverisieren.

    Ein Blick ins Geschichtsbuch dürfte jeden davon überzeugen, daß die Stadt Basel im Mittelalter schon einmal durch ein Erdbeben vollkommen zerstört wurde, und ich kann mir nicht vorstellen, daß die Menschen der Neuzeit den Nervenkitzel eines gesteigerten Erdbebenrisikos am Rhein unbedingt erleben wollen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Schneider

    Bielefeld University – Faculty of Technology
    Eleventh Bieleschweig Workshop, Bielefeld, 3-4 August 2011

    The Fukushima Accident and Systems Prone to EUE,
    URL: http://www.rvs.uni-bielefeld.de/Bieleschweig/eleventh/

    *

    Der Reaktorunfall in Fukushima hat die Diskussion um die Sicherheit der Kernkraftwerke erneut in die Öffentlichkeit gebracht. In Deutschland und in der Schweiz hat er zur Entscheidung des Atomausstiegs geführt. Doch Atomkraftwerke sind nur ein Beispiel für Systeme, die zu extrem unsicheren Ereignissen (englisch: “Extreme Unsafe Event”, EUE) führen können. Ein internationaler Workshop befasst sich vom 3. bis 4. August in der Universität Bielefeld mit den Problemen, die mit der Entwicklung und Nutzung von für EUE anfälligen Technologien einhergehen.

    Nach den meisten Maßstäben sind Nuklearunfälle die kostspieligsten, schweren Zwischenfälle in Friedenszeiten. Es stellt sich die Frage, wie oder ob Stromerzeugung aus Kernspaltung hinreichend sicher gemacht werden kann und was genau “hinreichend sicher” ist. Die entscheidenden Probleme sind daher weder rein technischer Natur, noch sind sie ausschließlich organisatorisch-theoretisch. Die Gesellschaft spielt eine Rolle bei der Entscheidung, was hinreichende Sicherheit ist. Im Extremfall gibt sie eine Technologie vollständig auf, wie derzeit in der Schweiz und in Deutschland. Oder sie äußert öffentlichen Protest, wie in Japan.

    Der Organisator des “11. Bieleschweig Workshops”, Professor Dr. Peter Ladkin von der Technischen Fakultät der Universität Bielefeld, erhielt die Zusagen von auf ihrem Gebiet herausragenden internationalen Experten: Robin Bloomfield (Adelard/City University, London), Lee Clarke (Rutgers, The State University of New Jersey), John Downer (Stanford University), John Knight (University of Virginia), Nancy Leveson (MIT), Charles Perrow (Yale University) und Martyn Thomas (Thomas Associates). Gemeinsam mit den Bielefelder Wissenschaftlern Bernd Sieker, Axel Schneider und Jörg Bergmann werden sie über verschiedene Aspekte extremer unsicherer Ereignisse referieren und anschließend diskutieren.

    Ziel dieses Workshops ist es, einen Konsens zu formulieren, wie die Gesellschaft mit der Nutzung von Technologien, die für EUE anfällig sind, umgehen soll, unter besonderem Bezug auf den Unfall in Fukushima.

    Der Workshop beginnt am Mittwoch, dem 3. August um 10 Uhr im Senatssitzungssaal der Universität Bielefeld, A3-126. Die Tagungssprache ist Englisch.

    *

    «Der Atomausstieg ist realitätsfremd, ein Schnellschuss-Entscheid»

    Magdalena Martullo: «Der Strom wird sich massiv verteuern» Ems-Chefin Magdalena Martullo über die Angst der Industrie vor gravierenden Stromlücken

    von Victor Weber

    Magdalena Martullo fürchtet nichts so sehr wie die Folgen eines Atomausstiegs. Christoph Blochers Tochter gibt sich angesichts der angestrebten energiepolitischen Wende geschockt und kündigt einen Kampf an. […]

    Quelle/URL: http://www.sonntagszeitung.ch/wirtschaft/artikel-detailseite/?newsid=208214

    Sehr lesenswert.

    1 Jahr nach Fukushima und mehr als
    1 Vierteljahrhundert nach Tschernobyl

    In der Gegend um Tschernobyl gibt es ein “Staatliches radioaktiv-ökologisches Naturschutzgebiet in Polessje”.

    In den vergangenen 25 Jahren, d. h. in einem Vierteljahrhundert, sind tiefe, unberührte Wälder entstanden, in denen die Tiere wie im Paradiese leben. Niemand stört hier die Natur, den Igel, den Wolf, das Großwild und die Vögel. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind die x-te Generation nach dem Strahlenunfall, und sie leben alle in dem 1.200 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet, gesund und munter. Sie haben keine sichtbaren Krankheiten oder Schäden, es gibt keine Mutationen, und weder der Wildwechsel noch die Zugvögel haben außerhalb des neu gewachsenen Paradieses irgend einen feststellbaren Schaden für den Menschen angerichtet.

    Ist alles nur halb so schlimm, wie es die über-ängstlichen Gegner der Kernkraft darstellen? Warum sind die Tiere gesund, obwohl sie verstrahltes Wasser trinken und verstrahlte Nahrung essen? Liegt in dem Naturschutzgebiet und seinen Bewohnern der Schlüssel zum positiven Umgang mit der Strahlung? Oder müsen nur die willkürlich festgelegten Grenzwerte der Strahlenschützer korrigiert werden?

    Vielleicht müssen noch einmal 25 Jahre ins Land ziehen, vielleicht muß die letzte Landschaft erst durch Windkraftanlagen zerstört und die letzte Ackerfläche durch Solar-Anlagen unbrauchbar gemacht geworden sein, vielleicht werden dann die selbstgefälligen und unselbstkritischen Kritiker der Kernkraft endlich merken, daß der Hamster im Laufrad einen Dynamo nicht antreiben kann. Beim Hamster sind die Beine zu kurz, und bei der Anti-Atom-Bewegung ist der Verstand zu kurz!

    Thomas Graf says:

    Gibt es im Internet entsprechende Artikel zu diesem Umweltschutzgebiet und den Zustand der dortigen Fauna und Flora? Wurden die Tiere dort soweit untersucht, dass man solche Aussagen machen kann? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Strahlung keine Auswirkungen hat. Im Tierreich ist es ja so, dass Tiere mit Schäden nicht lange (über-)leben. Von daher kann man nicht sagen, es gibt keine Tiere mit Schäden, nur weil man keine Tiere mit drei Augen oder so rumlaufen sieht.

    “Strahlende Natur”
    “3sat.de” vom 26. April 2010
    URL: http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/143950/index.html

    Z i t a t : “Wisente, die durch den Morgennebel trotten, eine Elchkuh die den Frühling genießt, eine Wildschweinfamilie die sich lieb hat.
    So sieht es aus, das Leben in der Todeszone von Tschernobyl – traumhaft, alptraumhaft, trügerisch. Im menschenleeren Sperrgebiet gibt es nichts als Natur und Radioaktivität. Der weißrussische Biologe und Filmemacher Igor Byshnjov dreht seit Jahren Filme in der Todeszone. […] Jetzt heißt die verlassene Gegend “Staatliches radioaktiv-ökologisches Naturschutzgebiet in Polessje”. […]”

    Der kleine Film ist sehr sehenswert.

    Beste Grüße,
    René Schneider

    Hm. Im Gegensatz zu den Atomlobbytreuen, die hier in erstaunlich regelmässigen Abständen die radioaktive Windfahne mit zusammehhangslosen Posts hochhalten (und dabei vermutlich pro Post bezahlt werden), schreibe ich hier freiwillig aus Überzeugung. :)

    Ich denke, es ist alles gesagt und Argumente kann jeder googeln. Die wichtigsten: Atomstrom ist ohne indirekte, staatliche subventionierung nicht konkurrenzfähig. Und aufgrund des Restrisikos und des Abfalls schlicht dumm. Tschuldigung.

    Simon says:

    Der Atomstrom wird nicht subventioniert! Warum jammert jetzt BKW wenn Mühleberg abgeschaltet wird? Wie viele Menschen kommen mit dem Auto ums Leben? Schaffen wir aus diesem Grund die Autos ab? Wie viele Strahlentote hat es in Japan gegeben? Wie viele Menschen sind an der Flutwelle umgekommen?
    Unsere Kernkraftwerke sind sehr sicher gebaut weil wir uns in der Schweiz kein GAU leisten können. Gift bleibt Gift. Radioaktivität hat eine Halbwertszeit. Die Natur möcht alle Nuklide in einem stabilen Zustand bringen. Wir beschleunigen diesen Vorgang nur.

    Sehr geehrter Herr Heller!

    Es gibt schlimmere Risiken als das “Restrisiko” der Kernenergiewirtschaft, und bei der Entsorgung des Abfalls sollte man weniger zimperlich sein. Das ist ein Problem der zukünftigen Generationen, es muß also nicht heute gelöst werden.

    Wer auf die Produktion von Atomstrom im eigenen Land verzichtet ist schlicht unvernünftig, denn er wird ihn für teures Geld aus dem Ausland kaufen müssen.

    Viele arme Menschen werden den Strom bald nicht mehr bezahlen können, sollen die ohne Licht leben und im Winter erfrieren?

    Lesen Sie doch einmal die aktuellen Zeitungen und nicht die Angst-Artikel aus der Fukushima-Periode von 2011, hier ist eine kleine Auswahl:

    »Der Atomausstieg ist realitätsfremd, ein Schnellschuss-Entscheid«
    “Der Strom wird sich massiv verteuern”
    “Sonntags-Zeitung” vom 26. Februar 2012,
    URL: http://www.sonntagszeitung.ch/wirtschaft/artikel-detailseite/?newsid=208214

    “Europa setzt auf eine nukleare Zukunft”
    “evangelisch.de” – von HannoTerbuyken, 09.03.2012 – 17:12
    URL: http://www.evangelisch.de/print/59369

    “Der Atomausstieg bleibt auf globaler Ebene weiterhin ein Minderheitenprogramm”
    “Die Presse” 09.03.2012 | 18:35 | JAKOB ZIRM
    URL: http://diepresse.com/home/panorama/welt/739018/
    Der-Atomausstieg-bleibt-auf-globaler-Ebene-weiterhin-ein?direct=739033&_vl_backlink=/home/index.do&selChannel=120

    “SP fürchtet ein Aus der Ausstiegs-Allianz”
    “20 minuten” vom 10. März 2012 – 23:20; Akt: 11.03.2012 19:44,
    URL: http://www.20min.ch/news/schweiz/story/31686872

    “Ein Jahr ist kurz, die Logik auch”
    “SÜDOSTSCHWEIZ.CH” vom 11.03.2012, 00:00 Uhr,
    URL: http://www.suedostschweiz.ch/print/1557059?version=
    Zitat: “Es hat nicht lange gedauert. Bereits ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Japan werden auch in hiesigen Zeitungen die Reaktionen der Politiker in Europa als völlig überrissen bezeichnet. […]”

    Mit freundlichen Grüßen!
    Schneider

    [i]Der Atomstrom wird nicht subventioniert![/i]

    Wer bezahlt die (Grundlagen-) Forschung? Die Langzeitlagerung? Den kompletten Rückbau (wieviel teurer wie geplant kommen Grossprojekte im Durchschnitt?) Die (Langzeit-) Unfallrisiken? Unfallrisiken des Endlagers? Eine kleine Wahrscheinlichkeit heisst nicht unmöglich. Unser Endlager wird nicht das einzige sein. Wer würde ein solches in 1000 Jahren nötigenfalls verlegen? Axpo? Die Versicherungspolice würde ich gerne sehen.

    [i]Warum jammert jetzt BKW wenn Mühleberg abgeschaltet wird? [/i]

    Siehe oben.

    Wie viele Menschen kommen mit dem Auto ums Leben? Schaffen wir aus diesem Grund die Autos ab?

    1) Eben!
    2) Warum nicht? Freie Fahrt für freie Velofahrer! Ich hab mein Leben ohne Auto gut eingerichtet. Für alle Nicht-Städter gibts nur noch öffentliche Einliter-Autos. In den Bergen mit Turbolader und Allrad. Oder Elektro aus nicht-zentraler Versorgung. So what? Der neue Industriezweig wirs sich dumm und dämlich verdienen!

    [i]Wie viele Strahlentote hat es in Japan gegeben? Wie viele Menschen sind an der Flutwelle umgekommen? [/i]

    Schauen wir in 50 Jahren nochmal? Auch wegen der Fortschritte in medizinischer Analyse. Man muss ja nicht gleich sterben. Und krank sein kostet die Gesellschaft i.d.R. mehr. Hm, wäre das in der Schweiz durch die GAU-Versicherung gedeckt? Wie hoch ist die? Ein Drittel der (von wem) geschätzten Kosten?

    [i]Unsere Kernkraftwerke sind sehr sicher gebaut weil wir uns in der Schweiz kein GAU leisten können. [/i]

    Tschuldigung, ist das ein Argument? Und: Eine kleine Wahrscheinlichkeit heisst nicht unmöglich.

    [i]Gift bleibt Gift. Radioaktivität hat eine Halbwertszeit. [/i]

    Eben, eines der tödlichsten. Von wievielen tausend Jahren?

    [i]Die Natur möcht alle Nuklide in einem stabilen Zustand bringen. Wir beschleunigen diesen Vorgang nur. [/i]

    Tschuldigung, ist das ein Argument? Physikalische Vorgänge sind i.d.R. stabiler, je langsamer sie ablaufen. Warum sollten wir einen gefährlichen Vorgang freiwillig beschleunigen? Profit (welchen)? Bequemlichkeit? Mutlosigkeit? Ideenlosigkeit?

    Oder gar Dummheit? Ich kann nicht verstehen, wie man meinen kann, über ein Jahrtausende anhaltendes Problem die Verantwortung übernehmen zu können. Und dass es das bei heutigen Möglichkeiten wert/Wert ist. Hilf mir! :)

    Kernenergie ohne Radioaktivität – kein Traum

    Vom Uran zum Lithium-Kernbrennstoff – Vorstellung der Broschüre von H.W. Gabriel, Dipl. Ing.

    bha. Vor einem Jahr wurde Japan von einer Atomkatastrophe riesigen Ausmasses getroffen. Die Unsicherheit der Bevölkerung hinsichtlich der freigesetzten Radioaktivität hält unvermindert an; die hierzulande geführte politische Debatte um den Ausstieg aus der Kernenergie verstellt immer wieder den Blick auf eine zentrale Problematik, mit der die Menschheit im nuklearen Zeitalter zu tun hat:
    Die Produktion und Freisetzung von ­grossen Mengen an Radioaktivität, die seit der Spaltung des Urans eine Quelle schwerer ­Schädigungen von Menschen, Tieren und Umwelt ist.
    Die Tragödie von Fukushima, die sich durch keine wie immer geartete Schönrederei aus der Welt schaffen lässt, die Tragödie der Explosion des Reaktorblocks in Tschernobyl in der Ukraine und etliche atomare Katastrophen mehr, die schon lange in ihrer Konsequenz heruntergespielt werden, diese Tragödien bestehen in ihrem Kern aus der Menge der freigesetzten Radioaktivität. Wirtschaftliche Schäden für Staat und Gesellschaft durch Reaktorunfälle grossen Ausmasses berühren ebenfalls den Lebensnerv der Menschen durch Verlust von nutzbaren Landflächen.
    Während die WHO und die IAEA an ihrem Modell der Verdeckung wahrer Statistiken zu Krankheitsfolgen z.B. nach dem Tschernobyl-Unglück unverbrüchlich festhalten, legen die vielfältigen medizinischen Erkenntnisse ein unwiderlegbares Zeugnis davon ab, dass einmal freigesetzte ionisierende Strahlung auf die menschliche Zelle somatisch und genetisch wirkt.
    Während die Debatte um erneuerbare Energien hohe Wellen wirft, was auch sinnvoll ist, weil die Menschheit bescheidener und sparsamer mit ihren natürlichen Ressourcen umgehen lernen muss, sollte die Debatte bereichert werden um das Thema der Freisetzung von ionisierender Strahlung in ihrer Konsequenz für Gesundheit und Umwelt.
    Mit der Broschüre «Kernenergie ohne Radioaktivität», leistet der Autor, Diplom-Ingenieur Heinz Werner Gabriel, einen eigentlich gesundheits- und energiepolitischen Beitrag zur Debatte um die Abschaltung von überalterten AKW. Die zentrale Aussage ist, dass ein Land mit genügend Energie versorgt werden kann, ändert man das bis heute der Kerntechnik zugrundeliegende Paradigma, dass Kernspaltung und Energiefreisetzung nur durch Uran möglich sei. Dem Leser tut sich bei der Lektüre eine neue Welt auf – und die Debatte um den Ausstieg aus der Kernenergie ist um eine wesentliche konstruktive Dimension reicher.
    Im folgenden sei dem Leser eine Kostprobe vorgestellt.
    Vorwort

    Der Anstoss, das Thema «Kernenergie ohne Radioaktivität» aufgreifen zu müssen, geht auf das Jahr 2001 zurück. Im Umkreis mehrerer kerntechnischer Anlagen war partikelgebundene Radioaktivität und nach Dokumenten von 1986/87 Beryllium 7 festgestellt worden.
    Die Art der Radioaktivität ist ein deutlicher Hinweis auf den Umgang mit Lithium.
    Das Wissen über die Spaltbarkeit und Ener­giefreisetzung von Lithium ist seit Jahrzehnten gewachsen, gleichfalls die Erkenntnis, eventuell ohne Radioaktivität Kernenergie erzeugen zu können.
    In der Hoffnung, mit dieser Recherche einen kleinen Beitrag für eine risikoärmere Zukunft zu leisten, widme ich das Buch meinen Kindern und Enkeln Ines und Andreas, Anna-Lina und Aurelia.

    H. W. Gabriel, 20.1.2012

    Zusammenfassung:

    Werden Bürger gefragt, warum sie gegen die Nutzung der Kernenergie eintreten, erhält man überwiegend die Antwort: «Die Gefahr durch Radioaktivität und strahlende Abfälle ist nicht tragbar.»
    Die Frage an Wissenschaftler, ob man Kernkraftwerke bauen könne, die keine Radioaktivität produzieren, wird praktisch immer mit «Nein» beantwortet.
    Diese Bewertung entspricht nicht dem Stand der Wissenschaft. Wird an Stelle des bislang verwendeten Kernbrennstoffes Uran der inaktive Kernbrennstoff Lithium verwendet, so entsteht bei der gezielten Spaltung Energie ohne Radioaktivität.
    Verständlich wird dies, wenn man die Zertrümmerung von Lithium 6 durch eindringendes Deuterium betrachtet: Es entsteht zuerst ein Atom aus 4 Protonen und 4 Neutronen, welches in zwei gleiche inaktive Helium-Atome zerplatzt. Bei der Spaltung von Uran, bestehend aus 92 Protonen und 143 Neutronen, entstehen demgegenüber mehrere hundert radioaktive Bruchstücke.
    Der Wegfall von Radioaktivität beseitigt das Unfallrisiko und den Zwang zur Endlagerung von hoch radioaktivem Abfall. Kernenergie wird damit gesellschaftspolitisch vertretbar und ökonomisch nutzbar.
    Die Spaltung von Lithium ist seit 1932 bekannt, jene von Uran seit 1938. Dokumente und Patente zum Einsatz von Lithium in Reaktoren liegen seit 1955 bzw. 1975 vor.
    Über die Bauvorhaben von kleinen Lithium-­Reaktoren ist wenig informiert worden. Bislang wurden Hybrid-Reaktoren als Neutronenquellen genutzt, um Spaltstoffe herzustellen.
    Zivile Bauvorhaben mit Stromerzeugungskosten von 5 Cent/kWh waren für 2008 angekündigt.
    Die Bauzeiten können auf fünf Jahre geschätzt werden, sofern die praktischen Erfahrungen mit Hybrid-Reaktoren umfänglich zur Verfügung stehen.
    Die Frage, warum bevorzugt Uran als Spaltstoff Verwendung fand, ist leicht zu beantworten: Uran erschien als waffentauglich, Lithium nicht wegen fehlender Kettenreaktion.
    Unter Berücksichtigung der weltweit verfügbaren Lithium-Reserven könnte mit diesem Stoff der Primär-Energiebedarf der Welt für mehr als 800 Jahre ohne Radioaktivität gedeckt werden.
    Akzeptiert man die Bildung von kurzlebiger Radioaktivität ­(Halbwertszeit < 12 Jahre), so ist ein mindestens dreifacher Zeitrahmen erreichbar.
    Die Spaltung von Lithium ist eine schon jetzt gangbare Alternative für die grosstechnische, noch nicht verfügbare, zivile Kernfusion.
    Nach letzten Verlautbarungen (vor den Unfällen in Fukushima) soll in den für 2008 angekündigten kompakten Reaktoren anstelle von «Lithium-Deuterid» wieder «Uran und Plutonium» gespalten werden.
    Wer könnte etwas gegen «Lithium als langfristige Energiequelle ohne Radioaktivität» einzuwenden haben?
    Die Notwendigkeit, Energiesysteme ohne Radioaktivität oder mit stark reduzierter Radioaktivität einsetzen zu müssen, zeigt sich deutlich bei Fukushima: Eigentümer und Betreiber der Kernkraftwerke können den materiellen Unfallschaden nicht ausgleichen – der Staat muss eintreten. Fazit: Kernenergie mit der heutigen Menge an Radioaktivität kann in einem privatwirtschaftlichen Rahmen nicht betrieben werden.
    Kapitel 1: Verzicht auf die Kernenergie – eine politische Komödie

    Die bislang letzten drei Explosionen und Kernschmelzen in Kernreaktoren haben in Fukushima im März 2011 stattgefunden.
    Einige Länder wollen wieder einmal aus der Kernenergie aussteigen, andere halten unverändert an ihren Kernreaktoren fest.
    Beide Haltungen sind wohl auch durch poli­tischen Opportunismus, ­Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit gekennzeichnet.
    Zum Nachteil der Bürger werden wegen des immer noch ungelösten Konfliktes zwischen Sicherheit und Ökonomie neuerlich Purzelbäume geschlagen.
    Inkompetent darf sich nennen, wer die Nutzung der Kernenergie einengt auf den Betrieb von konzeptionell überalterten Typen von Kernkraftwerken aus dem Jahr 1955.
    Ein Vergleich: Ein PKW, vom Typ VW-Käfer, verursacht häufig tödliche Auffahrunfälle wegen Explosion des vorne liegenden Benzintanks. Die Politik verfügt daraufhin ein allgemeines Verbot des Autofahrens.
    Gemeingefährliche Inkompetenz zeigt sich, wenn gestern ein 40 Milliarden Euro teures Produkt (KKW) als sicher und heute als unsicher dar­gestellt wird.
    Verantwortungslos ist, wer nach mehr als sieben Kernschmelzunfällen seit 1960 (in physikalisch ähnlichen Reaktoren) kein grundlegend neues Produkt angestrebt hat. Statt dessen wurde einem erkannten Tiger (der beim Durchbrennen eine Grossstadt auffressen kann) nur ein Schafsfell übergestülpt. Den Schafstall lässt man dann nach einem «Stresstest» als «robust» gegen anrennende Schafe bewerten.
    Die Gesetzgebung um den «Atom-Ausstieg-Einstieg-Ausstieg» in Deutschland war keine Sternstunde wissenschaftspolitischer Kompetenz.
    In den folgenden Ausführungen werden die entscheidenden Weichenstellungen in der Entwicklung der Kernenergie aufgegriffen, welche schliesslich zu der heutigen Technologie und deren Problemen geführt haben.
    Dem Verlust an Glaubwürdigkeit bei ­Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist entgegenzuwirken, um die Chancen für eine Kernenergienutzung ohne ­Radioaktivität objektiv bewerten und realisieren zu können.
    Diese Chancen sind kein Traum, sondern fachlich belegte Realität.
    Das Unfallpotential aus der Radioaktivität und die Notwendigkeit zur tausendjährigen Endlagerung von radioaktiven Abfällen würden entfallen.
    In einigen Ländern, z. B. in der Schweiz, ist man einen Schritt zur Sachlichkeit gegangen und hat für neue Kernkraftwerke strenge, angeblich nicht erfüllbare Sicherheitskriterien zur Diskussion gestellt:
    a) Ein Austritt von Radioaktivität an die Umgebung muss ausgeschlossen sein.
    b) Grosse Freisetzungen an Radioaktivität darf man nicht nach dem Prinzip der Wahrscheinlichkeit eines Glückspiels ausschliessen.
    c) Die Strahlungsdauer radioaktiver Abfälle sollte im Bereich einer Generation liegen.
    Mit Lithium-Deuterium-Kernbrennstoff sind solche Kriterien erfüllbar!
    Das Übersehen derart entscheidender Perspektiven resultiert aus einer eng gehaltenen, kernphysikalischen Ausbildung, bei der die Wissenschaftler an ­industriellen Produkten lehren und lernen.
    Die jeweils sicherste Möglichkeit der zivilen Kernenergienutzung durfte weder benannt noch verfolgt werden.
    Eine Objektivierung des Begriffs «Sicherheit» über Kriterien war nicht erwünscht.
    Die Vermarktung von Standardanlagen über Jahrzehnte sollte durch einen neuen «Sicherheitsstand von Wissenschaft und Technik» nicht gestört werden.
    Die Sorge um die Verbreitung von Atomwaffen wird von dominanten Ländern missbraucht, um bei Wirtschaftskonkurrenten neue Entwicklungen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie zu behindern. •

    Zum Autor:

    Heinz Werner Gabriel ist Diplom-Ingenieur für technische Physik. Er war tätig bei Planung, Bau und Betrieb von fünf Kernkraftwerken und leitete Projekte über die Entwicklung von sicherheitstechnisch verbesserten Reaktoren und nuklearen Wiederaufarbeitungsanlagen. Im wissenschaftlichen Stab des Deutschen Bundestages wirkte er bei der Konzipierung der zukünftigen Kernenergiepolitik mit. Als Gutachter unterstützte er viele Jahre die Justiz bei Ermittlungen über Vergehen gegen das Atomgesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz. Mit speziellen Analysemethoden klärte er die Herkunft geschmuggelter Spaltstoffe auf und die Zeitpunkte sowie Ursachen von verschwiegenen Unfällen in mehreren kerntechnischen Anlagen.

    E-Mail-Adresse: li-energy.info@arcor.de

    Quelle/URL: http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=731

    SPIEGEL ONLINE
    11. April 2014, 09:50 Uhr

    Drei Jahre nach Fukushima

    Japan beschließt Wiedereinstieg in die Atomkraft

    Drei Jahre nach der verheerenden Katastrophe von Fukushima steigt Japan wieder in die Atomkraft ein. Trotz deutlicher Proteste der Menschen im Land entschied die Regierung am Freitag einen neuen “Energie-Plan”.

    Tokio – Die japanische Regierung hat den Wiedereinstieg in die Kernkraft beschlossen. Das Kabinett in Tokio verabschiedete am Freitag einen Energie-Plan, der drei Jahre nach der Fukushima-Katastrophe den Ausstieg der Vorgängerregierung rückgängig macht. Darin wird die Atomkraft als “wichtige Energiequelle für die Grundversorgung” bezeichnet.

    Industrieminister Toshimitsu Motegi betonte, die Abhängigkeit des Landes von der Atomkraft werde “durch eine Reihe von Maßnahmen” verringert. Konkrete Vorgaben zu den jeweiligen Anteilen im Energiemix macht der Plan nicht. Die Regierung könnte diese in zwei oder drei Jahren festlegen, sagte Motegi. Gegen die Pläne hatten die Menschen im Land heftig protestiert.

    Japan deckte vor dem Fukushima-Unglück im März 2011 – der größten Atomkatastrophe seit Tschernobyl – knapp ein Drittel seines Energiebedarfs über die Kernkraft.

    Japan zahlte hohen Preis

    Als Reaktion auf das Desaster beschloss die Regierung der Demokraten den Ausstieg. Allerdings übernahmen die Liberaldemokraten Ende 2012 die Macht. Ministerpräsident Shinzo Abe hat die Abgeordneten seiner Partei und des Koalitionspartners Neue Komeito monatelang bearbeitet, um ihre Zustimmung zum neuen Energie-Plan zu gewinnen. Die buddhistisch geprägte Komeito lehnt die Kernenergie ganz ab.

    Umfragen zufolge sind auch zwei Mal so viele Japaner gegen ein Wiederhochfahren der fast 50 eingemotteten AKWs als dafür. Eine Befragung der Zeitung “Asahi” im vergangenen Monat ergab, dass fast 80 Prozent der Bevölkerung den Ausstieg aus der Kernkraft wollen. Neben der Katastrophe selbst sind die anhaltenden Probleme des Fukushima-Betreibers Tokyo Electric Power (Tepco) bei der Bewältigung der Folgen Grund für die Skepsis. Allerdings zahlt Japan einen hohen Preis für die Atom-Pause. Es hat fast 90 Milliarden Dollar für fossile Brennstoffe ausgegeben, um den Strombedarf konventionell zu decken. Die Handelsbilanz des Inselstaates kommt wegen der Importe nicht aus den roten Zahlen heraus.

    Einer Analyse der Nachrichtenagentur Reuters zufolge können möglicherweise zwei Drittel der japanischen Reaktoren wegen der Kosten für verschärfte Sicherheitsauflagen und anderer Faktoren gar nicht wieder ans Netz gehen. Für die japanische Atomindustrie könnte die Wende ohnehin zu spät kommen. Die AKW-Betreiber sind auf hohen Verlusten sitzengeblieben. Die Versorger Hokkaido Electric Power und Kyushu Electric Power baten jüngst den Staat um Hilfe. Tepco musste bereits 2012 aufgefangen werden.

    nik/reuters

    URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/fukushima-japan-beschliesst-wiedereinstieg-trotz-protesten-a-963833.html

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